fachlicher Austausch

Das Kind und sein individueller Bedarf stehen im Mittelpunkt

Das Fachforum inklusive Tagesbetreuungen, ein Gremium des LVkE, setzt sich seit geraumer Zeit mit der umfassenden Thematik der "Schnittstellen" auseinander und hatte zu diesem verbandsübergreifenden Gespräch geladen. Als Gäste begrüßte der Vorsitzende des Fachforums, Eckart Wolfrum, Caritas Heilpädagogische Tagesstätte Hebertshausen, Frau Ricarda Mursch, Fachreferentin Inklusion/Integration im Verband Katholischer Kindertageseinrichtungen in Bayern e.V. und Herrn Norbert Witt, Geschäftsführer Landesarbeitsgemeinschaft der Förderschulen (LAG Förderschulen) in katholischer Trägerschaft und Landesarbeitsgemeinschaft Caritas Behindertenhilfe Psychiatrie (LAG CBP). Mit viel Kompetenz leitete Herr Franz Schlund, Geschäftsführer der DiAG Jugendhilfe der Erzdiözese München Freising, als Moderator durch die schwierigen Fragestellungen, mit denen sich die Teilnehmenden tagtäglich konfrontiert sehen. Insbesondere Daten, Zahlen, Fakten sowie die Fragestellungen der aktuellen Bedarfe und Erfahrungswerte der einzelnen Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden intensiv diskutiert.

Nach einer Vorstellungsrunde, die einen großzügigen Einblick in die Arbeit des Fachforums inklusive Tagesbetreuung gab, widmete man sich einer umfangreichen Bestandsaufnahme über Zahlen und Fakten aus den jeweiligen Bereichen Kindertageseinrichtungen, Förderschulen sowie Heilpädagogischen Tagesstätten (HPT). Dabei zeigte sich, dass durchaus Zahlenmaterial vorhanden ist, das als Grundlage für weitere systematische Erhebungen dienen kann. "Vielleicht ist das auch symptomatisch für das Thema Inklusion, die Schwierigkeit bei der Differenzierung", so Ricarda Mursch zu den vorhandenen Daten. Das soll geändert werden. Die Teilnehmenden sprechen sich für eine Selbstverpflichtung zu exaktem, ausdifferenziertem Zahlenmaterial aus, um so nicht nur einen Überblick über den Status-quo zu erhalten, sondern auch politisch besser agieren zu können.

"Basis für Veränderungsprozesse sind grundlegende Zahlen und Daten, um eine solide Analyse zu tätigen", so Petra Rummel, Geschäftsführerin des LVkE. "In den einzelnen sozialen Hilfebereichen sind Ansätze bereits vorhanden, dennoch zeigt sich, dass es bisher keine systematische bzw. differenzierte Erhebung bei der Integration bzw. Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung gibt", ergänzt Eckart Wolfrum.

Weitere kritische Faktoren sind unter anderem die der regionalen Disparitäten, vor allem Unterschiede in der Handhabung der Rahmenbedingungen. Festgestellt wurde zudem eine Diskrepanz im Kontext von Elternwille, Entscheidungsfindung und der Bedarfsfeststellung. Dies führt teilweise zu Handlungsunsicherheiten in der Praxis der Jugend- und Behindertenhilfe. Insgesamt wünscht man sich bei den inklusiven Tageseinrichtungen aus den jeweiligen Bereichen eine bessere Zusammenarbeit, um die Arbeit der Kooperationspartner sowie die unterschiedlichen Strukturen besser kennenzulernen.

Die Entwicklung in Kindertageseinrichtungen zeigt, dass Eltern für ihre Kinder immer früher, immer längere Betreuungszeiten buchen. Der Förderbedarf von jungen Kindern kristallisiert sich häufig erst im Laufe ihrer Entwicklung heraus. Betreuen Kindertageseinrichtungen Kinder mit erhöhtem Förderbedarf, so sehen sie sich mit einem Mehraufwand an Zeit und Qualität konfrontiert, der nicht entsprechend refinanziert ist.

Besonders an dieser Stelle erachtet Frau Mursch eine Kooperation mit den anderen Bereichen für dringend notwendig. In der LAG CBP werden vor allem Integrationshelfer kritisch betrachtet. Hier fehlt es insbesondere an grundlegenden Definitionen: Wer legt die Fachlichkeit fest und wie wird diese definiert? Wer stellt den Bedarf fest?

Insgesamt mangelt es bisher an einem flächendeckenden pädagogischen Konzept. Herr Witt hierzu: "Es fehlt ein Masterkonzept, d.h. ein Konzept, das grundlegende Handlungsempfehlungen aufzeigt." Alle Teilnehmenden sind sich einig, dass in Zukunft eine weitere Vernetzung der unterschiedlichen Bereiche unbedingt notwendig ist, um bei einem geänderten Bedarf in den einzelnen Hilfeleistungen rechtzeitig zu reagieren oder Übergänge so gut wie möglich zu gestalten.

Zusammenfassend wurden Schnittstellen auf den unterschiedlichen Ebenen Einrichtung/Träger, Verband, Leistungs- und Kostenträger sowie Klienten und Betreute herausgearbeitet. Diese sollen, da waren sich alle Beteiligten einig, in regelmäßigen Treffen weiterbearbeitet werden.

"Jeder Weg beginnt mit dem ersten Schritt", so Michael Hahn, Mitglied des Fachforums inklusive Tagesbetreuungen und Leitung der heilpädagogischen Tagesstätte St. Ulrich in Obergriesbach,
und diesen Weg wollen alle Beteiligten in einem gemeinsamen Dialog weiter gehen.

Ein regelmäßiger Austausch soll außerdem dabei unterstützen, Überschneidungen und Doppelstrukturen im Blick zu behalten und bei gemeinsamen Anliegen fachpolitisch voranzukommen. Ein Termin für das nächste Kooperationstreffen ist bereits vereinbart.