Corona-Krise

"Ich bewundere unsere Mitarbeiter*innen für ihren unglaublichen Einsatz!"

Herr Eibl, die aktuelle Corona-Pandemie stellt unsere Gesellschaft vor noch nie dagewesene Herausforderungen, von denen keiner von uns unberührt bleibt. Aufgrund der Dynamik der jüngsten Entwicklungen scheinen sich nahezu täglich die Rahmenbedingungen unseres sozialen Zusammenlebens zu ändern und neue, bisher unbekannte Problembereiche verlangen nach Lösungen.
Mit welchen konkreten Problembereichen und Spannungsfeldern sind die Einrichtungen und Dienste der katholischen Erziehungshilfen durch die aktuelle Krise konfrontiert? Wie können die Einrichtungen, aus Ihrer Sicht, in diesen bestehen? Welche konkreten Maßnahmen wurden beispielsweise in der KJF Regensburg bisher von Ihnen eingeleitet?

Michael Eibl: Zunächst sind auch unsere Einrichtungen in einer angespannten Situation und man fragt sich: Sind bereits Kinder und Jugendliche oder Mitarbeiter*innen betroffen? Natürlich sorgen sie sich im privaten Bereich. Die Kolleg*innen sind hoch engagiert und verhalten sich sehr professionell. Hinzu kommt, dass die wirtschaftliche Situation noch sehr unsicher ist. Einerseits wird unglaublich viel von den Einrichtungen erwartet, die finanziellen Schutzmaßnahmen sind aber kompliziert und bürokratisch.
In meiner KJF Regensburg sind wir sehr viel im Gespräch: Bereits Mitte Februar haben wir einen zentralen Krisenstab und fünf regionale Krisenstäbe in bewährten Strukturen gegründet. Diese sind eng vernetzt. In diesen Regionen haben wir auch die Depots für Schutzkleidung eingerichtet. Alle Maßnahmen werden eng mit den Mitarbeitervertretungen und der Gesamtmitarbeitervertretung abgestimmt. Das Lagebild wird laufend aktualisiert. Eine Dienstvereinbarung für Betriebsurlaub wurde verabschiedet, eine weitere für Kurzarbeit ist in Vorbereitung. Wir wollen unseren Mitarbeiter*innen Sicherheit geben. Gleichzeitig werden die bewährten Strukturen der Verbands- und Lobbyarbeit intensiviert. Hier sind viele Details mit den Ministerien und Kostenträgern abzustimmen, die bisher nicht berücksichtigt wurden. Über allem steht für mich: Ich bewundere unsere Mitarbeiter*innen für ihren unglaublichen Einsatz! Inzwischen haben wir unsere vollständige Kommunikation auf Video- und Telefonkonferenzen umgestellt.


Wie beurteilen Sie die Lösungsansätze, die den Diensten und Einrichtungen der Erziehungshilfen von Seiten der Politik bisher angeboten wurden? In diesem Kontext seien die Sofortmaßnahmen des Bayerischen Landkreistages und des Bayerischen Städtetages hinsichtlich Finanzierung der Einrichtungen vom 24.03.2020 und das am 25.03. im Bundestag bzw. am 27.03.2020 im Bundesrat beschlossene "Gesetz (…) zur Absicherung sozialer Dienstleister aufgrund des Corona Virus" erwähnt. Wurden aus Ihrer Sicht von Seiten der Politik die Bedarfe der Kinder- und Jugendhilfe erkannt und richtig gedeutet? Welche darüberhinausgehenden konkreten Erwartungen haben Sie an die politischen Entscheidungsträger angesichts der aktuell dramatischen Situation?

Michael Eibl: Die Sofortmaßnahmen des Bayerischen Landkreistages und Städtetages waren ein erster wichtiger Schritt. Sie haben aber nur empfehlenden Charakter. Es dürfen uns keine Insellösungen passieren! Die Bezirke waren hier klarer: Es haben sich die sieben Bezirke getroffen und den Trägern bis Mitte April eine klare Perspektive gegeben. Das war für die Klienten, die Mitarbeiter*innen und die Träger äußerst wertvoll. Bei allen Schutzmaßnahmen wird es aber kompliziert: Es müssen vorrangig alle anderen staatlichen Schutzschirme und zum Beispiel auch, wo möglich, Kurzarbeitergeld eingesetzt werden. Gleichzeitig helfen aber Mitarbeiter*innen in anderen Einrichtungen, wo Not ist, aus. Ein verzahntes Krisenmanagement ist im Gang. Wir brauchen hier noch klare verbindliche Lösungen, allen voran für die ambulante Jugendhilfe, die Schulbegleitungen etc.


Der LVkE e.V. fungiert bekanntlich als kraftvolles und engagiertes Bindeglied zwischen Politik und Fachwelt und wahrt hierbei auch die Interessen der Kinder und Jugendlichen, die in den Einrichtungen des Landesverbandes betreut werden. Welche konkreten Schritte hat der LVkE bereits unternommen, um den aktuellen Herausforderungen Herr zu werden? Was ist aktuell in Arbeit und was muss im Rahmen der Verbandsarbeit noch getan werden?

Michael Eibl: Der LVKE hat in den vergangenen Jahren ein umfangreiches Netzwerk für die Verbands- und Lobbyarbeit aufgebaut und sich mit großem Einsatz engagiert. Dies ist ein großer Verdienst der Geschäftsführung und aller Vorstände gemeinsam mit den Vertretern in den Diözesen.
Konkret betreibt der LVkE aktuell ein fortlaufendes Infomanagement und versorgt seine Mitgliedseinrichtungen so zeitnah und umfassend wie möglich mit aktuellen Nachrichten und Mitteilungen über neue Entwicklungen. Glücklicherweise sind wir in der Lage, unsere verbandlichen Arbeitsstrukturen weitestgehend beibehalten zu können, so dass wir nah an den Themen dran sind und auch weiterhin eng verzahnt mit unseren internen und externen Kooperationspartnern zusammenarbeiten können.  
Ausgangspunkt aller Initiativen ist natürlich das Kindeswohl, die Verwirklichung der Kinderrechte. Deshalb wird dies im Jubiläumsjahr eine ganz besondere Rolle spielen, sobald als möglich live und in der aktuellen Krise auch virtuell!