Pressemitteilung

Katholische Jugendhilfe sieht gelingende Integration von jungen Flüchtlingen - Wissenschaftler bestätigt erste Erfolge

 "Wir haben in Bayern in kürzester Zeit 3000 minderjährige Flüchtlinge aufgenommen und gut begleitet und gefördert. Nun brauchen wir von der Staatsregierung weiter verlässliche Rahmenbedingungen“, so Michael Eibl ,Vorstandsvorsitzender des LVkE und Direktor der KJF Regensburg, in seiner Begrüßungsrede, in welcher er den "gewohnt konstruktiv-kritischen" Dialog mit den politischen Entscheidungsträgern hervorhob und einen kurzen Überblick über die aktuelle Situation der Erziehungshilfe in Bezug auf die Integrationsarbeit mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge gab.
Diesen Faden nahm Hans Scholten, Vorstandsvorsitzender des BVkE und Direktor des Jugendhilfezentrums Dormagen, in seinem darauf folgenden Grußwort auf und spannte den Bogen thematisch weiter zur geplanten SGB VIII-Reform. Hier kritisierte er vor allem die mangelnde Transparenz in der Entwicklungsphase und die aus seiner Sicht fehlende Kooperation der Politik mit den Fachverbänden der Erziehungshilfe.

Wie die Integration minderjährige Flüchtlinge nachhaltig gelingen kann, erläuterten im Anschluss Emil Hartmann, Gesamtleitung des Don Bosco Jugendwerks Bamberg und Regina Jans, Leitung des Projekts Integrationspaten, anhand einer interessanten Präsentation:
Denn das Don Bosco Jugendwerk Bamberg akquiriert und begleitet seit 2014 im Rahmen eines Modellprojektes Integrationspaten für minderjährige Flüchtlinge und ermöglicht den jungen Menschen auf diese Weise eine verbesserte Eingliederung in ihrem neuen sozialen Umfeld. Durch dieses Konzept der "ausgewogenen Partnerschaft" konnten bisher von 15 Berufsschulabgängern 7 auf weiterführende Schulen gebracht, 7 in Ausbildung und einer in das BVJ vermittelt werden.

Im nächsten Programmpunkt stellte Prof. Dr. Michael Macsenaere, Geschäftsführer des IKJ - Institut für Kinder - und Jugendhilfe Mainz, der die Veranstaltung zudem moderierte, das Kooperationsprojekt von BVkE und IKJ zur Evaluation unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge vor. Im Rahmen dieses Projektes werden erstmals aussagekräftiges Datenmaterial zu Ausgangslagen der jungen Flüchtlinge, Rahmenbedingungen und Effekten der pädagogischen Arbeit mit dieser besonderen Klientel gesammelt. Bereits nach einem halben Jahr lässt sich bei einer Stichprobe von 400 Jugendlichen eine deutlich bessere Entwicklung feststellen. Darüber hinaus zeigen sich sehr positive Effekte bei der Begleitung von jungen Volljährigen durch die Jugendhilfe.

Anschließend fand eine moderierte Diskussion statt, die unter dem Motto "Wie kann Integration gelingen - wie schaffen wir das?" stand. An der lebhaften und mitunter kontroversen Debatte nahmen MdL Joachim Unterländer, Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, MdL Angelika Weikert, Mitglied im Ausschuss für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, Dr. Christian Lange, 2. Bürgermeister der Stadt Bamberg, Hans Scholten, Heribert Trunk, IHK Präsident Oberfranken und Unternehmer, Michael Eibl und Pater Franz-Ulrich Otto, Provinzialvikar der Salesianer Don Boscos, teil. Hans Scholten betonte in dieser Runde, dass Integrationsleistungen "mit vollem Herzen erfolgen" und bei Bedarf auch nach dem 18ten Lebensjahr weitergeführt werden müssen, um nachhaltig wirksam zu sein. Ansonsten drohe gegenseitige Enttäuschung, Frustration und nicht zuletzt auch eine Radikalisierung der Betroffenen. Unterstützt wurde er hierbei von MdL Angelika Weikert, die anmerkte, dass "Jugendhilfe wirkt, wenn man sie an der richtigen Stelle zur richtigen Zeit gewährt".
MdL Joachim Unterländer mahnte in diesem Kontext, dass "wir schaffen müssen, was möglich ist", Politik, Verbände und Träger jedoch "einen gemeinsamen Weg gehen müssen, um den Einklang von Kosten, Wirksamkeit und Akzeptanz sicherzustellen".
Einig waren sich alle Beteiligten, dass die Integration unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge eine große Chance für alle Beteiligten bietet, da die große Masse ebendieser "aus hoch motivierten jungen Menschen besteht, die hier etwas erreichen wollen", so Michael Eibl.

Der Parl. Brunch, organisiert von der Geschäftsführung des LVkE, Petra Rummel, fand zudem im Rahmen der 41. interkulturellen Woche statt, die auf Initiative der Deutschen Bischofskonferenz, der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Griechisch-Orthodoxen Metropolie durchgeführt wurde. http://www.interkulturellewoche.de/veranstaltung/2016/bamberg/interkulturelle-woche-2016-bamberg

Der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfen (LVkE) e.V. nimmt bayernweit die Aufgaben des Fachverbands für die Erziehungshilfe in katholischer Trägerschaft wahr. Zusammen mit seinen 149 Mitgliedseinrichtungen setzt er sich für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Familien in unserer Gesellschaft ein, um ihnen im Sinne von Solidarität und Teilhabegerechtigkeit bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.
Mehr Informationen finden Sie unter www.lvke.de.

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