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"Kein Flüchtling darf verloren gehen!" - LVkE und EEV auf der ConSozial

So fand am Donnerstag, den 27.10.2016 von 11.45 bis 12.15 Uhr auf der Messebühne eine, von beiden Verbänden organisierte, Podiumsdiskussion mit dem Titel "Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Bayern: Erfahrungen - Analysen - Perspektiven" statt.

An diesem spannenden Diskurs nahmen unter anderem Michael Eibl, Vorstandsvorsitzender des LVkE, Sigrun Maxzin-Weigl, Vorsitzende des EEV-Bayern, Thomas Stadler von der privaten Berufsschule St. Erhard in Plattling, einer Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge Regensburg, und Hans Reinfelder, Leiter des ZBFS-Bayerisches Landesjugendamt, teil. Moderiert wurde die Runde von Dr. phil. Norbert Beck, u.a. Verbundleiter Überregionales Beratungs- und Behandlungszentrum Würzburg. Dieser verdeutlichte in seiner Begrüßung, dass der Leitsatz "kein Flüchtling darf verloren  gehen" eine Frage der Humanität und Haltung ist. Und gerade diesem Gedanken fühlen sich die konfessionellen Verbände besonders verbunden.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wurde in zwei sehr sensibel dargestellten filmischen Porträts die Situation von zwei jungen unbegleiteten Flüchtlingen geschildert, wobei die Zuschauer eindrücklich über die Fluchtintergründe und den Fluchtweg, das Ankommen in Deutschland, die existentielle Grundversorgung und die Einbindung in pädagogische Betreuung informiert wurden. Vor allem Letztere ermöglichte es den jungen Menschen, sich zu regenerieren und nachhaltig zu stabilisieren. Einer der Protagonisten, eine junge Frau, die auch an der Podiumsdiskussion teilnahm, berichtete anschaulich von ihren Erfahrungen in unserem Land. Begleitet wurde sie von ihrer Bezugsbetreuerin Vanessa Kohlmann, die gleichzeitig Leiterin der Mädchenschutzstelle für UMA des Evangelischen Kinder- und Jugendhilfezentrums in Augsburg ist.

In der anschließenden Runde bekräftigte Herr Eibl, dass in vertrauensvollem Miteinander von öffentlicher und freier Jugendhilfe im vergangenen Jahr in Bayern eine riesige Aufgabe bewältigt worden ist. Es gelte jetzt für alle Beteiligten eine verlässliche Perspektive auf einer gesicherten finanziellen Grundlage zu schaffen.
Daran anknüpfend hob Frau Maxzin-Weigel die Willkommenskultur in Bayern hervor. Für die Betroffenen betonte sie: "Erholung von der Flucht, einen Raum zu haben für die psychische Stabilisierung, Tagesstruktur, Begleitung im Alltag, das Gefühl einen sicheren Ort zu haben, das ist die Basis für Integration". Frau Kohlmann ergänzte, "oft geht es einfach nur um die Begleitung zu einem Arzt, zu verdeutlichen was eine Versicherungskarte beinhaltet".
Herr Stadler knüpfte daran an und betonte, dass der nächste Schritt der Erwerb der deutschen Sprache sowie eine Begleitung in eine berufliche Ausbildung sein muss, denn "die Sicherung des Lebensunterhaltes und das  Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten fördern nachhaltig die eigene Lebensperspektive, Anerkennung und Teilhabe am gesellschaftlichen Zusammenleben".
Hans Reinfelder hob resümierend hervor, dass gerade in 2015 die öffentlichen und freien Träger enorm viel geleistet und Menschlichkeit in den Mittelpunkt gestellt haben. "Aktuell befinden wir uns in einer Suchbewegung", so Reinfelder, es fehle derzeit jedoch ein gesetzliches Instrumentarium das alle Beteiligten mit dabei unterstützt, die gesamtgesellschaftliche Herausforderung zu meistern.

Insgesamt betreuen in Bayern die konfessionellen Träger aktuell ca. 5000 Jugendliche in sehr differenzierten Angeboten von ambulanter Betreuung bis hin zu einer stationären Unterbringung. Damit verbunden ist neben der Gewinnung eines umfangreichen Erfahrungsschatzes, der bereits über Jahre aufgebaut wurde, auch ein sehr breitgefächertes Entgeltsystem.
Michael Eibl merkte hierzu kritisch an, dass die entsprechenden Analysen und Zahlen der freien Träger in der Politik nicht weiter kommuniziert werden, sondern in der öffentlichen Diskussion vielmehr Pauschalsummen am oberen Ende der Skala benannt würden. "Ich wünsche mir, dass die Träger und Einrichtungen, die tagtäglich in der Arbeit mit den jungen Menschen stecken, gehört werden und dass wir alle weiterhin partnerschaftlich und vertrauensvoll zusammenarbeiten", so Eibl abschließend. Denn diese Aspekte seien Grundvoraussetzungen für ein gelingendes Miteinander von Trägern, Verbänden, Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, um der Integration der jungen Flüchtlinge gerecht zu werden.

Im Abschlussfilm, der die gelingende Integration dieser jungen Menschen zum Thema hatte, wurde dieses Ansinnen nochmals bekräftigt: "Deutschland ist das Land, das mich aufgenommen und mir dabei geholfen hat mich nicht mehr zu fühlen wie ein Nichts", so ein Jugendlicher, der bereits seit vielen Jahren bei uns lebt.