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Prävention so früh wie möglich ansetzen

„Eine Situation, die jeder kennt: Der Zug steht am Gleis und kann wegen einer Störung nicht weiterfahren. Er wird voller und voller, immer mehr Menschen kommen dazu. Der Zug könnte nun weiterfahren, aber die Türen lassen sich nicht mehr schließen. Die Frage ist nun, wer oder was das Problem ist. Die zu vielen Menschen, von denen vielleicht lieber einige Auto fahren sollten oder doch das Bahnsystem?“ begann Dr. phil. Norbert Beck seinen fachlichen Input zu „Kinder- und Jugendlichen mit besonderen Herausforderungen“ beim Neujahrsbrunch des LVkE im Erziehungshilfezentrum Adelgundenheim in München. „Systemsprenger“, wie diese Kinder und Jugendliche auch genannt werden. „Dabei sprengen sie nicht das System, weil sie nicht aushaltbar sind, sondern weil wir in den Systemen nicht kreativ genug sind“, sagte Dr. Beck.

Herausfordernd sind die Entwicklungen der letzten Jahre im Bereich der stationären Erziehungshilfe als auch in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. 1,1 Millionen junge Menschen unter 20 Jahren erhalten Eingliederungshilfen und Hilfen zur Erziehung. Beide Systeme haben zu 50 Prozent eine gemeinsame Klientel. Der Versorgungsbedarf steigt stetig, wie Dr. Beck eindringlich skizzierte. Die Risikofaktoren sind dabei vielfältig, von soziökonomischen Faktoren, Gewalt und Traumatisierung, eigener psychische Erkrankungen, sowie psychisch erkrankte Eltern. Ebenso vielfältig sind die Lösungsansätze. Prävention so früh wie möglich und gute Abstimmung der Akteure vor Ort – das ist der Wegweiser.

„Ich versuche stets lösungsorientiert heranzugehen, damit sich auch in diesem Bereich die Dinge weiter im Sinne der betroffenen Menschen verbessern. Die Möglichkeiten, die hier beschrieben werden, scheinen mir jedoch nur die Symptome zu bekämpfen. Was kann die Politik wirklich tun, um den Ursachen wirkungsvoll zu begegnen?“ fragte MdL Thomas Huber, Sozialpolitischer Sprecher der CSU und stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Arbeit und Soziales, Jugend und Familie, in der anschließenden Diskussionsrunde.

Ideen und Erfahrungen gab und gibt es viele im Kreise der diskutierenden aus dem Vorstand des LVkE, die alle Leitungspositionen in Einrichtungen und Diensten der Erziehungshilfe innehaben.
Politisch sei es im Zuge der SGB VIII Reform vor allem wichtig, dass der Rechtsanspruch auf Hilfen erhalten bleibe. Das fängt bei den Kleinstkindern an und hört nicht mit 18 Jahren, wenn auch die Erziehungshilfe wegfällt, auf.

„Wir müssen es schaffen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen und ein Bündel an Maßnahmen - auch systemübergreifend - auf den Weg zu bringen. Die Erkenntnisse liegen uns vor und wir müssen so ausbauen, dass die Kinder und Jugendlichen bestmöglich versorgt werden. Da spielen natürlich Geld und qualifizierte Fachkräfte eine große Rolle“, resümierte MdL Doris Rauscher, SPD Mitglied und Vorsitzende des Ausschusses Arbeit und Soziales, Jugend und Familie.

Der LVkE setzt sich seit vielen Jahren intensiv für Kinder und Jugendliche mit besonderen Herausforderungen ein und hat bereits 2018 ein entsprechendes Thesenpapier auf den Weg gebracht.  Der Verband verfügt in diesem komplexen Themenfeld über eine umfassende Expertise, die immer wieder gerne angefragt wird – für diese Expertise und das hohe Engagement dankten die anwesenden Abgeordneten dem LVkE ausdrücklich.

In diesem Kontext stehen auch im Jahr 2019 diverse thematische Veranstaltungen dazu bayernweit an. „Wir müssen mehr systemisch denken – nicht abgrenzend, sondern übergreifend präventiv ansetzen, um unseren Kindern, Jugendlichen und ihren Familien bestmöglichste Chancen geben zu können“, schloss Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, die Diskussionsrunde ab.

 

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Präsentation „Handlungsstrategien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen" von Dr. phil. Norbert Beck

Thesenpapier zur Entwicklung von Handlungsstrategien im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit besonders herausfordernden Verhaltensweisen in der Stationären HzE/Eingliederungshilfe in stat. Form