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Neujahrsbrunch

„Systemsprenger“ brauchen individuelle Lösungen

Neujahrsbrunch 2020

hinten (von li nach re): Hr. Baumgartner, Hr. Nunner, Hr.Hartmann, Hr.Erbertseder, Fr.Ortwein-Feiler, Hr.Wolfrum
vorne: Dr.phil.Beck, Hr. Eibl, Fr. Krüger, Hr. Rausch, Fr. Kundmüller, Fr.Rummel, Hr.Weiß,Hr.Bezold

 

"Gute Wünsche und Worte wissen um die Verletzbarkeit und Zerbrechlichkeit des Menschseins. Sie lassen keinen Platz für Fake News und Hetze in sozialen Medien," zitiert Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, aus dem Text "Vorschuss für das neue Jahr" von Georg Deisenrieder, Patoralreferent, zu Beginn des zweiten politischen Neujahrsbrunches des LVkE, diesmal zu Gast im Comboni-Haus von Don Bosco Bamberg.

Wie zerbrechlich und verletzbar Kinder und Jugendliche sind, zeigt auch der 2019 erschienene Film "Systemsprenger" von Nora Fingscheidt, der für viel Aufsehen sorgte - wegen der schauspielerischen Leistung, aber auch der überaus aktuellen und realistischen Darstellung der kleinen Benni, die in keinem der gängigen Systeme zu halten ist und diese regelmäßig sprengt. Der Film öffnete damit das Thema auch für Menschen außerhalb des Fachpersonals in der Kinder- und Jugendhilfe, der Kinder- und Jugendpsychiatrie und des Jugendamtes. Für den LVkE ist der Begriff "Systemsprenger" bzw. Kinder und Jugendliche mit besonderen Herausforderungen, schon lange präsent. Im Jahr 2019 fanden daher in den Diözesen in Bayern verschiedenste Kooperationsveranstaltungen zu diesem Jahresthema statt.

In seinem Impuls beim Neujahrsbrunch ging Dr. Beck auf die Ursachen, Zahlen und Problemstellungen ein. Er spricht von einer Verdreifachung der Fallzahlen in den letzten 20 Jahren und somit von etwa 50.000 "Systemsprenger*innen" in ganz Deutschland - mit Kindern, die gerade mal vier Jahre alt sind. Hinzusehen ist nicht leicht, weil "nicht sein darf, was nicht sein kann", wie Dr. Beck es ausdrückte.

Frank Baumgartner, Leiter des Kinderzentrums Sankt Vincent in Regensburg, stellte im Anschluss einen, in seiner Einrichtung entwickelten, möglichen Lösungsansatz für ein Modellprojekt vor. Dabei wurde aber auch klar: Es gibt nicht den einen Weg, sondern viele und vor allem muss jedes Kind, jeder Jugendliche hier sehr individuell betrachtet werden. Das benötigt Expertise, Fachkräfte, ein gutes Team und natürlich auch eine Finanzierung.

In der anschließenden Diskussion mit dem Geschäftsführenden Präsidialmitglied des Bayerischen Bezirketages, Stefanie Krüger, und Thomas Rausch, Referent des jugendpolitischen Sprechers der AfD, kamen wichtige weiterführende Fragen und Punkte auf den Tisch: Wie kann eine Bindungskontinuität hergestellt werden? Wie gehen wir mit dem Scheitern positiv um? Wie kann den Kostenstellen klargemacht werden, dass das Geld für diese Kinder und Jugendlichen eine Investition für die Gesellschaft ist?

Dabei stellte Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, fest: "Wichtige Themen der Sozialpolitik werden aktuell vernachlässigt, daher müssen wir uns Verbündete suchen."  Ein weiterer Punkt, der die Thematik zuspitzen könnte, ist die aktuelle SGB VIII Reform und die damit verbundene Zusammenführung mit dem Bundesteilhabegesetz. ":  "Wir brauchen keine inklusive Lösung, um die Familien besser zu versorgen," erklärt Stefanie Krüger, "sondern müssen unsere Zusammenarbeit an den Schnittstellen verbessern. Angebote müssen konsequent auf die Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnitten werden und dürfen sich nicht ausschließlich an den Zuständigkeiten der Kostenträger orientieren. Hier sind alle Beteiligten aufgefordert, aufeinander zuzugehen und gemeinsam praktikable Lösungen zu finden." Hierbei finden sie im LVkE einen unterstützenden Partner.

Im anschließendem Eat&Talk wurden viele der angeschnittenen Themenbereiche weiterdiskutiert und vertieft. Für das leibliche Wohl aller sorgte das Team von Don Bosco Jugendwerk Bamberg.

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