München, den 13.03.2015

„Unsere Einrichtungen und Dienste müssen eine Garantenstellung für die jungen Flüchtlinge einnehmen“

Eine Stimme für die jungen Menschen

 v.links nach rechts : Joachim Nunner, Michael Eibl ,Martin Neumeyer, Walter Krug, Petra Rummel, Jaquie Mary Thomas.

Aktuell befinden sich bayernweit ca. 1.000 junge Flüchtlinge in ca. 60 katholischen Einrichtungen der Erziehungshilfe. Geplant sind weitere 400 Plätze in 2015. Den jungen Menschen verlieh der LVkE beim Fachtag "Interkulturelle Spannungsfelder - Umgang mit Menschen mit Migrations- und/oder Fluchthintergrund", der im Berufsbildungswerk St. Franziskus in Abensberg stattfand, eine Stimme: So konnten einige von ihnen beim abendlichen Werkstattgespräch im Dialog mit dem Integrationsbeauftragten der Bayerischen Staatsregierung MdL Martin Neumeyer, dem ersten Vorsitzenden des LVkE und Direktor der KJF Regensburg Michael Eibl und Joachim Nunner, stellvertretender Vorsitzender des LVkE und Leiter der erzieherischen Hilfen des Kinderhauses Stapf in Nürnberg, über ihre Sorgen, Ängste und Hoffnungen sprechen. Moderiert wurde diese spannende Veranstaltung von Walter Krug, dem Gesamtleiter des Berufsbildungswerks Abensberg.

Einen festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft

Die minderjährigen Flüchtlinge, die in der Inobhutnahmestelle des B.B.W. Abensberg untergebracht sind, nutzten in einer bewegten Diskussion ihre Chance, um über wichtige Themen wie Asylverfahren, Religion und Zukunftsperspektiven im Kontext von Schule und Ausbildung zu sprechen. Besonders auffällig war, wie motiviert und zielstrebig die jungen Menschen bemüht sind, sich einen festen Platz in der Mitte unserer Gesellschaft zu erarbeiten. Jedoch sind viele von ihnen aufgrund einwanderungsrechtlicher Unsicherheiten besorgt, ob sie hier eine dauerhafte Perspektive haben können. "Wir wollen Sicherheit, wir wollen hier bleiben dürfen" war der Appell an Herrn Neumeyer.

"Schule und Bildung schaffen für unbegleitete Flüchtlinge die Sicherheit, um hier bleiben zu können."

Das konstatierte MdL Neumeyer. Dies sei für ihn der Weg für den er sich stark macht. LVkE-Vorsitzender Michael Eibl richtete diesbezüglich am Ende der Diskussion an die anwesenden Fachkräfte den eindringlichen Aufruf, dass die Einrichtungen in diesem Punkt " ihre Forderungen auch gegenüber der Politik mit Nachdruck vertreten müssen. Wir setzten uns für Ausbildung ein!" Auch Joachim Nunner forderte, dass für die jungen Migranten klar abgesicherte Perspektiven mit Rechtsanspruch geschaffen werden müssten. "Grundlage und Schlüsselqualifikation ist die Sprache", fasste Walter Krug zusammen.
Die Gesprächsrunde war der finale Höhenpunkt eines Seminares, in dessen Verlauf die interessierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel Wissenswertes über den Umgang und die Akzeptanz von kulturellen Unterschieden bzw. kultureller Fremdheit erlernen konnten. Unter der Leitung von Diplom Sozialpädagogin Jaquie Mary Thomas bestand die Möglichkeit, die fachlichen interkulturellen Kompetenzen zu stärken und die neuen Kenntnisse in die tägliche Arbeit mit Flüchtlingen einzubringen. Abgerundet wurde der Abend durch ein von den jungen Flüchtlingen zubereitetes Buffet, welches aus fernöstlichen Spezialitäten bestand.

Besondere Verantwortung

Wie nach wie vor bekannt ist, steht die Flüchtlingswelle, die uns aus den Krisenregionen der Welt erreicht, derzeit massiv im Fokus von Politik, Medien und Öffentlichkeit. Vor allem jugendlichen und unbegleiteten Migranten gegenüber, die sich nach schrecklichen Erlebnissen oftmals schutzlos und traumatisiert in einer fremden Welt einfinden müssen, steht unsere Gemeinschaft in einer besonderen Verantwortung. Der LVkE verfolgt die aktuellen Entwicklungen aufmerksam mit und engagiert sich für adäquate Hilfen und Qualifizierungsangebote, die im Besonderen den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zukommen und auch den Fachkräften zukommen soll.

Weiterführende Informationen:

Der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehungshilfe (LVkE) e.V., als Schirmherr dieser Veranstaltung, nimmt bayernweit die Aufgaben des Fachverbands für die Erziehungshilfe in katholischer Trägerschaft wahr. Zusammen mit seinen 149 Mitgliedseinrichtungen setzt er sich für sozial benachteiligte Kinder, Jugendliche und ihre Familien in unserer Gesellschaft ein, um ihnen im Sinne von Solidarität und Teilhabegerechtigkeit bestmögliche Unterstützung zukommen zu lassen.