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"Wie schaffe ich es, Mutter zu sein, obwohl ich selber noch Kind bin?"

In den letzten Jahren ist zu beobachten, dass tendenziell eine Verschiebung der Anfragen hin zu immer jüngeren Kinder, oftmals in Verbindung mit Müttern, die selbst noch Jugendliche sind und einen eigenen heilpädagogischen Bedarf mit sich bringen, stattfindet.
 Das Thomas-Wiser-Haus in Regenstauf hat sich den Bedarfen dieser Zielgruppe schon frühzeitig angenommen und bietet mit der Wohngruppe „Lilli“ jungen Schwangeren und Müttern mit belastenden Lebenserfahrungen ein umfassendes und praxiserprobtes Angebot mit dem Ziel, die Bindung und Beziehung von jungen Müttern zu ihrem Kind erfolgreich zu gestalten und dem Neugeborenen somit eine gelingende Kindheit zu ermöglichen.

Im Zentrum der Kooperationsveranstaltung der gastgebenden Einrichtung mit dem LVkE stand das STEEP-Programm (Steps Toward Effective, Enjoyable Parenting), ein videogestütztes Beratungs- und Frühinterventionsprogramm, das auf der Bindungstheorie basiert und in den USA von Martha Erickson und Byron Egeland entwickelt wurde. Es hat zum Ziel, junge Mütter durch gezielte pädagogische und soziale Hilfestellungen zu befähigen, ein gefühlvolles und empathisches Elternsein zu entwickeln, welches sich bestmöglich nach den wandelnden Bedürfnissen des Kindes richtet. Unter dem Leitsatz „Schau zurück, geh vorwärts“ fließen auch biographische und weltanschauliche Blickwinkel der jungen Mütter mit in die Arbeit ein.

Dr. Michael Schieche, Dr. phil., Dipl. Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Systemischer Familientherapeut, Dozent und Kooperationspartner für das STEEP-Programm in München stellte dem Plenum anschließend Evaluationsergebnisse vor, welche die hohe Wirksamkeit des Programms eindrucksvoll belegen können. So wurde im Rahmen einer Studie unter anderem nachgewiesen, dass bei 59% der befragten und hochbelasteten Mutter-Kind-Paare nach einem Jahr STEEP-Intervention eine stark verbesserte Bindungsqualität vorlag – ein Ausmaß an Bindungssicherheit, welches für eine Hoch-Risiko-Gruppe ungewöhnlich hoch ist!

Ergänzend zu diesem Vortrag referierten Dipl. Psychologin Margit Lindner vom Fachdienst des Thomas-Wiser-Hauses und Aneta Heigl, Dipl.-Sozialpädagogin und Gruppenleitung der Wohngruppe Lilli, über die wichtigsten Aspekte der Arbeit mit dem STEEP-Programm. Im Rahmen der Workshops am Nachmittag präsentierte zudem Anna Lindbüchl, Dipl. Sozialpädagogin und Leiterin der PeKiP-Gruppe (Prager-Eltern-Kind-Programm) im Thomas-Wiser-Haus, die Grundzüge und Effekte der Gruppenarbeit mit den psychisch belasteten jugendlichen Müttern.

Zum Ende eines Fachtags voller wertvoller Impulse erfolgte ein gemeinsames Resümee von Jürgen Mertin, Erziehungsleitung des Thomas-Wiser-Hauses und Petra Rummel, Geschäftsführerin des LVkE. Frau Rummel drückte hierbei Ihre Bewunderung für die hervorragenden fachlichen Leistungen der Wohngruppe Lilli aus: „Ich bin sehr beeindruckt und habe schlicht und ergreifend Respekt für diese Arbeit mit dem STEEP-Konzept. Persönlich und fachlich bin ich davon überzeugt, dass der Ansatz ‚Beziehung verändert Beziehung‘ eine fundierte Basis für Kinderschutz und Prävention bildet“.