Gremien, Austausch

"Wir müssen gemeinsam am Ball bleiben"

Am 18.10.2017 trafen sich der LVkE in Kooperation mit dem Evangelischen Erziehungsverband in Bayern e.V. (eev) mit Stefan Rösler, Leiter der Regionalen Anlauf- und Beratungsstelle für ehemalige Heimkinder in Bayern, in Nürnberg. Klaus Schenk, Bayer. Staatsministerium für Arbeit und Soziales, stv. Referatsleiter Jugendpolitik, Jugendhilfe, war aus terminlichen Gründen leider verhindert. Die Teilnehmenden diskutierten aktuelle Fragestellungen, Perspektiven und konkrete Handlungsschritte zum Thema Heimkinder der 50er und 60er Jahre. Geplant ist eine gemeinsame Veranstaltung, um mehr Bewusstsein für das Thema Heimerziehung zu schaffen.

2006 brachten ehemalige Heimkinder ihr Leid und erfahrenes Unrecht durch eine Petition an den Deutschen Bundestag. "Was das Schlimmste für die Betroffenen war, war das Gefühl allein zu sein, ausgeliefert zu sein", so erklärt Stefan Rösler die Notlage der Betroffenen. Der missbräuchliche Umgang mit Erziehungsmethoden, Gewalt, Ausbeutung und Zwangsreligion sollte durch eine offizielle Anerkennung des Geschehenen, finanzieller Entschädigung und zukünftige Präventionsmaßnahmen entsprechende Achtung erfahren. Zur Aufarbeitung wurde im Februar 2009 der Runde Tisch Heimerziehung errichtet, welcher in einem Abschlussbericht umfangreiche Lösungsvorschläge erarbeitete.

Daraufhin wurde im Bayerischen Landesjugendamt die Bayerische Anlaufstelle im Zentrum Bayern Familie und Soziales konzipiert. Die Betroffenen erhalten hier über Fonds Hilfen durch eine Kombination aus Beratung und finanziellen Leistungen. Erste Ergebnisse zeigen, dass diese Unterstützung als wirksam wahrgenommen wird.

Außerdem empfahlen die Mitglieder des Runden Tisches der Anlauf- und Beratungsstelle einen Beirat zur Seite zu stellen. Nach einer großen Anhörung in 2012, wurde dieser im darauffolgenden Jahr mit betroffenen ehemaligen Heimkindern sowie Vertreterinnen und Vertretern des Sozialministeriums, der christl. Kirchen, von Trägern sowie aus der Wissenschaft besetzt. Der Bayerische Landtag ist vertreten durch den Sozialausschussvorsitzenden Herr MdL Joachim Unterländer. Die zentrale Frage lautet: Was bedeuten diese Erfahrungen für heute und für die Zukunft?

Aktuelle Themen der stationären Erziehungshilfe befassen sich mit Präventionsmaßnahmen, um Kinder und Jugendliche vor Missbrauch zu schützen. Wie geht man außerdem mit der Stigmatisierung von Heimkindern um? Wichtig ist gleichzeitig der Blick auf die Fachkräfte. Wo erhalten diese eine entsprechende Begleitung bzw. Unterstützung in ihrer alltäglichen Arbeit? Außerdem ist zu bedenken, dass viele der Heimkinder aus den 50er und 60er Jahren nun in ein Alter kommen, in dem sie pflegende Unterstützung benötigen könnten. Wie kann man diese in ihrer Angst vor einem Heimaufenthalt begleiten?

Auch die Teilnehmenden dieses Austausches greifen diese Fragen auf und sind in Überlegungen, wie eine nachhaltige Weiterentwicklung umgesetzt werden kann, um eine Auseinandersetzung mit dem Thema Heimerziehung - Möglichkeiten und Grenzen - sowohl in der Fachwelt als auch in der Gesellschaft zu bewirken. Es geht darum, den Blick offen auf das Geschehene zu richten, die Geschichte aufzuarbeiten. Gleichzeitig soll aber auch auf die aktuellen Herausforderungen aufmerksam gemacht werden. Ein zentrales Anliegen ist es, Heimerziehung als das darzustellen, was es ist: eine Hilfe zur Erziehung - der Stigmatisierung entgegentreten, die positiven Seiten zeigen und dabei transparent bleiben.