"Wir müssen unseren Kinderheimen gerecht werden"

In alter Tradition knüpften die zwei konfessionellen Erziehungsfachverbände, der Landesverband katholischer Einrichtungen und Dienste der Erziehung in Bayern e.V. (LVkE) und der Evangelische Erziehungsfachverband in Bayern e.V. (eev), auch in der neuen Legislaturperiode an gemeinsame Gespräche mit dem Sozialministerium und der guten Zusammenarbeit an und trafen sich mit Staatsministerin Kerstin Schreyer zu einem ersten Gespräch.

Ein zentraler Punkt für Michael Eibl, Vorsitzender des LVkE, im Gespräch mit der Staatsministerin Schreyer waren die Investitionskosten. Damit baute er auf das 18. Sozialpolitische Werkstattgespräch „Zukunft der Investitionen in der stationären Jugendhilfe“ am 12.06.2018 im Bayerischen Landtag unter Joachim Unterländer, damaliger Vorsitzender des Arbeitskreises für Arbeit und Soziales, Jugend, Familie und Integration, auf. Gerade für kleine Einrichtungen sind die Sanierungen, die sich im Laufe der Jahre als notwendig erweisen, existenziell. Die über die Tagessätze erzielten Rücklagen reichen hierfür nicht aus und derzeit stehen auch keine Fördermittel des Landes zur Verfügung. „Wir müssen den Kinderheimen gerecht werden, die diese wichtige Arbeit mit unseren Kinder- und Jugendlichen übernehmen“, betonte Eibl. Das Problem war allen Beteiligten am Tisch bewusst – eine schnelle Lösung wird es nicht geben, da die originäre Zuständigkeit bei den Kommunen liegt.

Positiv für das Sozialministerium bewertete Staatsministerin Schreyer vor allem die vergangene Klausurtagung am 24. und 25. Januar 2019 in St. Quirin (http://www.bayern.de/bericht-aus-der-kabinettssitzung-184/?seite=1579). Hier wurden die Schwerpunkte des neuen Doppelhaushaltes 2019/2020 bewusst auf den Bereich Familie und Bildung gelegt. So werden durch die Ausweitung des Zuschusses der Beiträge für die ersten zwei Kindergartenjahre und die Kostenfreiheit der Kinderbetreuung 630 Millionen Euro mehr als noch in 2018 investiert. Außerdem soll das Bayerische Familiengeld und das Landespflegegeld fortgeführt werden. Was zusätzlich noch geleistet werden kann, bleibt erst einmal abzuwarten. Es gilt aus Sicht des Ministeriums eine Balance zwischen den unterschiedlichen notwendigen Anforderungen und dem, was möglich ist, zu finden.

Wie auch bei vielen anderen Berufsgruppen, ist für den Erziehungshilfebereich der Fachkräftemangel ein immer aktuelles Thema, das auch im Sozialministerium intensiv diskutiert wird. Dabei ist es ganz zentral sich verschiedene Fragen zu stellen, wie beispielswiese, warum viele ausgebildete Fachkräfte das Berufsfeld verlassen, wie das Studienangebot ausgebaut und mehr Interesse für diese Berufsfelder geweckt werden kann. „Eine Möglichkeit wäre die Refinanzierung von Praktikumsplätzen – damit könnte das Interesse potenzieller Fachkräfte geweckt werden und gleichzeitig die Einrichtungen finanziell entlastet werden“, schlug Markus Mayer, stellvertretender Vorsitzender des LVkE vor. Ein wichtiges Anliegen der Staatsministerin war bei diesem Thema, dass vor allem die Qualität der Ausbildung und das Fachkräftegebot nicht unter dem Mangel leiden darf.

Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten sehr verändert und so auch die jungen Menschen in Deutschland. Für die Erziehungsfachverbände und ihre Einrichtungen ist in diesem Zusammenhang deshalb auch das Thema „Careleaver“ ein wichtiges Anliegen. „Das System geht von einer Volljährigkeit mit 18 Jahren aus – mittlerweile hat sich der reale Übergang in das selbständige Erwachsenenleben alters- und reifemäßig nach hinten verschoben“, erklärte Joachim Nunner, stellvertretender Vorsitzender des LVkE. Es werde viel Geld in die Kinder und Jugendlichen investiert, welches ohne weitere Möglichkeiten der Begleitung durch die Jugendhilfe teilweise zunichtegemacht wird. „Wir müssen auf diese Gefahren und die damit einhergehenden Risiken hinweisen und uns um gemeinsame Lösungen bemühen“, plädierte Eibl.

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Herausforderung: Investitionskostenförderung für Einrichtungen der Jugendhilfe - Impulspapier zum 18. Sozialpolitischen Werkstattgespräch vom 12.06.2018