Statement

"Schützt unsere Kinder!"

Das Forschungsprojekt "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" zeigt mit seinen Ergebnissen, wie notwendig diese wissenschaftliche Aufarbeitung ist. Die katholischen Laien unterstützen die Bischöfe in ihren Anliegen, den Opfern auf Augenhöhe zu begegnen, zuzuhören, Entschädigungen und Hilfeleistungen zu erbringen. Die katholische Kirche ist die erste Großorganisation, welche den Straftaten des sexuellen Missbrauchs flächendeckend entgegentritt und eine umfangreiche Studie durchgeführt hat. Darüber hinaus wurden angesehene und anerkannte Experten benannt, die Ansprechpartner für die Opfer sind. 

Für dringend erforderlich sehen wir nun als nächsten Schritt eine unabhängige Anlauf- und Beratungsstelle nach dem Vorbild der Anlaufstelle für "ehemalige Heimkinder". Eine solche Anlaufstelle war 2012 unter Federführung des Bayerischen Sozialministeriums, im Zusammenwirken mit den beiden großen christlichen Kirchen und ihren Wohlfahrtsverbänden, sowie unter Einbeziehung von Misshandlung und Missbrauch betroffener ehemaliger Heimkinder eingerichtet worden. Der unabhängige Ansprechpartner war in diesem Fall beim Bayerischen Landesjugendamt angesiedelt. Die Unabhängigkeit und die Einbeziehung betroffener Menschen müssen auch bei der Einrichtung einer zentralen Anlaufstelle der Kirche bzw. der Bistümer für Opfer von Missbrauch Berücksichtigung finden.

Die katholischen Sozialeinrichtungen können die Bischöfe anhand ihrer Erfahrungen unterstützen. Denn in diesen Einrichtungen werden häufig Missbrauchsopfer betreut, weshalb auch für sie ganz besondere Anforderungen bei der Auswahl und in der Führung von MitarbeiterInnen gelten. 

Sie stehen genauso wie die Diözesen, aber auch wie Vereine, Organisationen und das gesellschaftliche Umfeld vor der Herausforderung, Menschen mit pädophilen Neigungen den Zugang bzw. als Mitwirkende den Kontakt zu Kindern und Jugendlichen zu verwehren. Pädophile Straftäter suchen gezielt nach Möglichkeiten, sich nahe am Umfeld von Kindern und Jugendlichen zu bewegen. Hier gibt es klare Vorgehensweisen bei der Einstellung und beim laufenden Betrieb, sowie bei Verdachtssituationen und konkreten Vorkommnissen. Pädophile Täter kalkulieren bei ihren abscheulichen Taten Machtmissbrauch, Verheimlichung und falschem Täterschutz ein. Dies gilt auch bei Gewalttaten gegen Kinder und Jugendliche.

Bei der Verhinderung und beim Bekämpfen von Missbrauch und Gewalt kommt der Kirche eine besondere Vorbildfunktion zu, weil sie großes Vertrauen genießt. Es darf aber nicht vergessen werden, dass Gewalt und Missbrauch gegenüber Kindern und Jugendlichen in unserer Gesellschaft weit verbreitet ist. Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey  hat im Oktober die dauerhafte Einrichtung des Amtes einer/eines Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs geschaffen. Es sollen Strukturen für den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt und Ausbeutung gestärkt und die Bedingungen für schnelle und umfassende Hilfen für betroffene Menschen verbessert werden. 

Hier wird auch der Ansatzpunkt für die katholische Kirche deutlich, sich einer unabhängigen staatlichen Stelle anzuschließen und diese finanziell zu unterstützen. Wie groß das Ausmaß dieser Straftaten an Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist, zeigt die polizeiliche Kriminalstatistik: So wurden im Jahr 2017 13.500 Kinder und Jugendliche Opfer von sexualisierter Gewalt und Ausbeutung. 1600 Opfer waren unter sechs Jahren. Die Dunkelziffer ist noch deutlich höher. Wenn wir unsere Kinder und Jugendlichen wirklich schützen wollen, müssen sich alle gesellschaftlichen Kräfte dieser Herausforderung stellen. Die Kirche muss mit guten Beispiel voran gehen.


Michael Eibl

Vorsitzender LVkE
Stellvertretender Vorsitzender des
Landeskomitees der Katholiken