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Ein sicherer Platz zum Leben

Besondere Aufmerksamkeit galt hierbei der intensivpädagogischen Wohngruppe "Lilli". Hier finden junge Mütter aus Hochrisikofamilien, sogenannte "Teenie-Mütter", mit ihren Kindern einen sicheren Platz zum Leben. In diesem geschützten Rahmen haben sie u.a. die Möglichkeit, sich ganz besonders intensiv auf die Mutter-Kind-Beziehung einzulassen.

Für die Fachkräfte der Einrichtung stellt dies eine besondere Herausforderung dar, schließlich werden in der Gruppe nicht nur junge Frauen (fast zwei Drittel der Bewohnerinnen sind zwischen 13 und 18 Jahren alt), sondern auch deren Babys betreut. Und der Bedarf ist hoch: Denn die "Teenie-Mütter" bringen oftmals hohe biographische Belastungen, psychische und suchtbedingte Erkrankungen, wenig Vorstellungen von gelingender Erziehung sowie ambivalente Gefühle in Bezug auf ihre Mutterschaft mit - viele Problembereiche und Risikofaktoren, die den Fachkräften eine hohe Fachlichkeit und ein Höchstmaß an Empathie abverlangen!

TWH Gruppev.l.n.r.: Franz Raschof, MdL Thomas Becher, MdL Doris Rauscher, Karl Heinz Weiß, Verena Engelmann, Jürgen Mertin

So wird in der Wohngruppe "Lilli" u.a. mit "STEEP", einem videogestützten Beratungs- und Frühinterventionsprogramm, daran gearbeitet, ein sensibles und mitfühlendes Elternsein zu entwickeln. Und die Praxis zeigt, dass mit den vorhandenen Konzepten ein gutes Maß an Bindungssicherheit erzielt werden kann - die Basis für Kinderschutz und Prävention!

Der LVkE hat schon frühzeitig seinen Fokus auf diese hochkomplexe und herausfordernde Arbeit gelegt und bereits 2017, gemeinsam mit dem Thomas-Wiser-Haus, einen Fachtag mit dem Titel "Teenie-Mütter schaffen es!" abgehalten. Diese Veranstaltung wurde damals von MdL Doris Rauscher, einem der heutigen Gäste, mit einem Grußwort eröffnet.
Und auch in der Folgezeit blieb das Thema auf der Agenda des Landesverbandes: Denn schon wenige Monate später, in 2018, erfolgte eine Einladung in die Bayerische Kinderkommission, um dort die entsprechenden Konzepte vorzustellen und für die Problematik zu sensibilisieren.

Umso erfreulicher ist es, dass das Thema auch jetzt noch, trotz Corona und weiterer Krisen, seitens der Politik mit hohem Interesse verfolgt wird. Denn MdL Doris Rauscher, die u.a. als Vorsitzende des Bayerischen Sozialausschusses fungiert, war damals wie heute Mitglied der Kinderkommission, MdL Johannes Becher ist ebenfalls Mitglied beider Gremien. Ihn hat u.a. der präventive Ansatz des Konzeptes beeindruckt. Denn oftmals ist es so, dass die familiären Belastungen von Generation zu Generation weitergetragen werden und hier besteht die Möglichkeit, mit den jungen Müttern "Muttersein zu erlernen" und den Kreislauf übernommener Verhaltensweisen zu unterbrechen. Und das ist es wert - so die Haltung des Landtagsabgeordneten.

Flankierend zu diesem Themenschwerpunkt wurde die Gelegenheit auch genutzt, um mit den politischen Gästen über weitere Problemstellungen zu diskutieren, die die Fachwelt aktuell beschäftigen:
 
So ist der Fachkräftemangel auch in den Erziehungshilfen allgegenwärtig und für Mitarbeiter:innen und Träger gleichermaßen spürbar: Denn die Nachqualifizierung neuer Mitarbeiter:innen, die oft nur Kita-spezifisch ausgebildet sind, bringt einen enormen Aufwand mit sich. Hier wünschen sich Einrichtungen wie das Thomas-Wiser-Haus entsprechende kommunale Zulagen, um die Belastungen abfedern zu können.

Auch die massiv gestiegenen Energiekosten haben negative Auswirkungen auf die stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe. Weitere Probleme stellen gestiegene Anforderungen für Leitungskräfte, sowie die angemessene Bezahlung der Schicht/Wochenend/Nacht-Arbeit im stationären Bereich dar.
Denn während Leitungskräfte immer mehr ihrer knappen Ressourcen für Qualitätsmanagement, Krisenbewältigung (z.B. Corona) und Personalmanagement aufbringen müssen, kommen viele andere und nicht minder wichtige Aufgaben mittlerweile viel zu kurz.
Gleichzeitig muss die Arbeit an der Basis, im stationären Schichtdienst, finanziell attraktiver gestaltet werden, um Bestandsmitarbeiter:innen halten und zeitgleich neue Fachkräfte akquirieren zu können.

Viele Probleme, die nach schnellen Lösungen verlangen - doch es gibt aktuell auch Erfreuliches zu beobachten: So haben sich die Heime der Erziehungshilfen, gerade angesichts der Corona-Krise, mehr denn je als Orte für soziale Teilhabe erwiesen. Denn die jungen Bewohner:innen waren zu keiner Zeit isoliert, sondern hatten stets ihre Freunde, Spielkameraden und Ansprechpartner vor Ort. Gerade in Hinblick auf die Bedarfe und Probleme der uns anvertrauten jungen Menschen ein Umstand, der nicht hoch genug gewürdigt werden kann.